Willkommen in Sibirien

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 31. Juli – 2. August 2018

 
Wir erreichen nach einem zehnstündigen Flug über reine Landmasse die Stadt Jakutsk. Es ist bemerkenswert, dass dieses uns unbekannte Jakutien, die Republik Sakha, größer als Indien ist und weniger Einwohner als Köln hat. Die Stadt ist so groß wie Freiburg und die kälteste Metropole der Welt, aber sie empfängt uns mit T-Shirt Wetter.
 
 
Der Flughafen ist winzig und nach dem Verlassen des Gebäudes finden wir kein Taxi, das uns in die Innenstadt bringen könnte. Wir sind mit unserer Gastgeberin zur Mittagspause verabredet und es wird knapp. Kleine schrottige kastenförmige Busse geben uns eine letzte Hoffnung, doch es gibt natürlich keine Form von Anzeige, die einem helfen könnte zu erkennen wo welcher Bus hin fährt. Ich probiere es beim Erstbesten Fahrer und frage “зентр?”. Nach einem irritierten “да” springen wir hinein. Es gibt nur zehn Sitze und wir stehen. Als wir den Eindruck haben, dass wir zentral genug sind, springen wir wieder hinaus. Das Bezahlen funktioniert beim Verlassen des Busses, indem man dem Fahrer ein paar Rubel in die Hand drückt. Mit unserem Großgeld ist er natürlich total überfordert.
 
 

Wir treffen nicht mehr ganz pünktlich unsere Gastgeberin Lyoba, stereotypisch sowjetisch unter dem Denkmal von Lenin. Sie hilft uns erst einmal etwas zu Essen und russische Karten für unser Telefon zu finden. 20GB für gerade einmal 5€ im Monat, davon träumen wir in Deutschland.  

Sie wohnt in einem nicht ganz so hübschen, aber für Jakutsk und die meisten russischen Städte typischen Blockbau, in welchem überraschenderweise häufiger die Wasserversorgung ausfällt. Sie hat einen kleinen Sohn namens Marcel. Über Couchsurfing sind wir ihre ersten Gäste. Sie wird uns jetzt und bei unserer Rückkehr eine liebe Freundin, die uns bei sich aufnimmt wie einen Teil der Familie.

Lyoba führt uns durch die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es gibt einige Forts aus Holz, ähnlich derer in der Neuen Welt, die aus einer Pionierzeit stammen, bevor der Sozialismus zugeschlagen hat.   Besonders schön ist auch eine gefrorene Höhle. Diese wird auf eisiger Temperatur gehalten und von Künstlern geformte und prächtig farblich beleuchtete Eisskulpturen werden ausgestellt. Großen Andrangs erfreut sich die Höhle nicht, wir haben sie ganz für uns.

Der wahre Herr des Eises nimmt seinen Platz ein.
Ein Eisengel mit kleinen Flügeln.

Wir nutzen natürlich auch die Chance “sibirisch” Essen zu gehen. Aber mein Enthusiasmus über die lokale Küche hält sich in Grenzen. Es gibt rohe gefrorene Pferdeleber, gefrorenen ebenso rohen Fisch und immerhin gebratene Rentierrippchen. Der hier beliebte Preiselbeersaft (морс) und der aus Gras gebraute Tee sind dafür sehr lecker.  

Wir merken, dass wir weit im Norden sind. Die Temperaturen sind zwar nicht warm, aber nachts wird es kaum dunkel.  Wir bemerken auch, dass dies hier ein anderes Russland ist als das, was wir bisher kennengelernt haben.

Die Leute sind nicht ganz so offensichtlich an uns interessiert wie im Westen, wo man für seine deutsche Herkunft schon vergöttert wurde. Vielleicht sind die Menschen hier auch einfach schüchterner. Sie lassen sich jedenfalls auch nicht gerne fotografieren. Wir sehen keine weiteren Touristen neben uns.  

Am Flughafen werden Leute mit Gewehren durch die Sicherheitskontrolle gelassen, während wir wegen unserer Bleikugeln zum Köderangeln zur Seite gezogen werden.  Für den Flug nach Batagay-Alyta müssen wir nach Gewicht bezahlen, nicht nach Gepäckstücken. Sogar unser Handgepäck wird gewogen und die Waage geht gnadenlos zu unseren Ungunsten falsch, weswegen wir am Ende eine hohe Rechnung durch Übergepäck bezahlen müssen.

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